
Marc Chagall "Über Witebsk", o.J Bleistift, Tusche, Guache, Aquarell und Graphit auf Karton
51,5 -64,3 Israel Museum, Jerusalem © VG Bild-Kunst, Bonn 2010
http://www.buceriuskunstforum.de
bis 16. 01.2011, Bucerius Kunst Forum, täglich 11,00- 19,00 Do. bis 21
Marc Chagall - Lebenslinien
...von Mira Salska-Bünsch
„Du bist noch sehr jung, drängst danach, alles zum Ausdruck zu bringen, (…) alles Verehrte und Unsterbliche. Man hat den Eindruck, Du meinst, mit Deiner Kenntnis des Geheiligsten erstaunen zu können“ schrieb seine Verlobte an Marc Chagall. Das war der Anfang der künstlerischen Zusammenarbeit von Marc und Bella. Sie war damals 23 und er 25 Jahre alt, sie wurde später seine Frau und seine Muse, auch Mutter der gemeinsamen Tochter Ida. Liebe als Motiv seiner Kunst, präsent in zahlreichen Bildern, ist der wichtigste Faden im Labyrinth seiner Gemälde, Tuschzeichnungen, und Radierungen in der Ausstellung im Bucerius Kunst Forum in Hamburg.
Die Objekte stammen aus vielen Sammlungen - Israel Museen in Jerusalem, in Basel, Centre Pompidou, Paris, aus der Tretjakow Galerie in Moskau und deutschen Museen. Die Ausstellung präsentiert den Maler von einer sehr persönlichen Seite.
Fragmente seiner Autobiografie „ Mein Leben“, in der er mit 35 Jahren bereits seine künstlerische Karriere resümierte, sind auch hier ein Schlüssel zu seinem Werk. „Ich habe mein geliebtes Russland, meine Heimatstadt Witebsk, das jüdische Viertel, in dem ich aufwuchs, so gemalt, wie ich es als Kind gesehen habe.“
Marc Chagall wurde jedoch auch geprägt durch die Kontakte mit der Avantgarde in der Zeit seiner ersten Reise nach Paris, aber er ist immer er selbst geblieben. Ihm sind die Erinnerungen an Alltagssituationen wichtig, etwa der Großvater auf dem Dach des Hauses, der Rabbi, die Liebenden am Flussufer, Kirchen und die Jüdischen Sitten. Sie wurden zum Dokument der verlorenen Welten. In Chagalls Werk nimmt die Auseinandersetzung mit der Verfolgung der Juden die Form des ewigen Wanderers an, der in der Luft schwebt, wie auch Jesus – auf dem Kreuz mit dem Tallit – in jüdisches Gebetstuch gehüllt.
Die Bibel war für Marc Chagall sein ganzes Leben lang eine wichtige Inspiration. „Durch die Weisheit der Bibel sehe ich die Ereignisse des Lebens und die Kunstwerke. Ein wirklich großes Werk ist von ihrem Geist und ihrer Harmonie durchdrungen“. In der Ausstellung werden auch seine Bilder zur Bibel gezeigt.
Durch den Glauben und die künstlerischen Traditionen, durch Erlebnisse und Erfahrungen sieht Marc Chagall sein Leben und schafft sein Werk erfüllt mit Hinweisen auf sie.
Die Ausstellung wird begleitet durch den Dokumentarfilm, in dem man Marc Chagall in seinen späten Jahren als Kommentator seines Lebens und Werkes erleben kann.